Eltern-LAN

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Die Zeit der Nische ist für das Videospiel, eine der schönsten Arten seine Zeit zu verschwenden,  vorbei. Lange scheint es her, dass unsere Vorstellungskraft die groben kleinen Pixel auf den alten Röhrenfernsehern zu außerirdischen Invasoren oder was auch immer geformt hat. Man muss die Rolle des technischen Fortschritts bei der gesellschaftlichen Durchdringung von Videogames nicht mögen, aber anerkennen. Erst mit den immer steigenden Polygonzahlen kamen auch immer mehr Menschen vor ihren Fernseher um eben genau nicht fern zu sehen, sondern zu spielen.  Allerdings erwies sich dieser Fortschritt besonders hierzulande als zweischneidiges Schwert für die öffentliche Akzeptanz des vergleichsweise sehr jungen Mediums. Mit immer größeren Datenträgern und immer mehr Rechenkapazitäten ging auch eine immer größere Realitätsnähe einher. Plötzlich waren die kleinen roten Pixel zu ausgewachsenen Blutfontänen samt Schattenwurf und Spiegeleffekt ausgereift. Doch bei aller hinzu gewonnenen Akzeptanz, ist das „Telespiel“ von damals auch heute noch in vielen Köpfen eben nur Kinderspielzeug. Und wenn man über Kinderspielzeug liest und hört, das es brutal aussieht oder für ungesunde Dauer vor den Schirm fesselt, dann wird man als Außenstehender verunsichert. Was zunächst in der Politik ein gern genutztes Mittel zur einfachen Profilierung über plakative Verbotsforderungen genutzt wurde, ist mittlerweile eines der wichtigsten Themen der Medienpädagogik. Der differenzierte und kritische Umgang mit diesem oft alltäglichen Hobby der Kinder und Jugendlichen muss nun einmal erst erlernt werden. Aus diesem Grund hat die Landesstelle Jugendschutz in Niedersachsen ein Projekt ins Leben gerufen, das in ähnlicher Form schon in anderen Bundesländern angelaufen ist: Die Eltern-LAN.


 
Von Volleyball und Weltkriegen
In Zusammenarbeit mit der örtlichen Jugendpflege wird diese Veranstaltung in mehrere Städte Niedersachsens gebracht, um Eltern vor Ort mit dem Medium vertraut zu machen. An diesem Abend findet die Eltern-LAN in Cuxhaven statt. In einem größeren Saal laufen schon 18 vernetzte Rechner und verursachen einen nicht überhörbaren Lüfter-Lärm. Aufgebaut wurde das Netzwerk vom Kooperationspartner der Landesstelle Jugendschutz, den Leuten von der Gamesession Hannover (GSH). Ein Gang durch die noch unbesetzten Reihen zeigt Spiele aus unterschiedlichen Genres. Langjährige Spieler erkennen Call of Duty 2, Flatout, Counter-Strike, Warcraft III und Unreal Tournament sofort. Aber auch weniger martialische Titel wie Ice Age 3 oder das simple Blobby Volley sind zu sehen. Auf den schmalen Rechnergehäusen sind Informationsschilder platziert. Was für den Kenner dieser betagten Spiele überflüssig scheint, ist für die heutige Zielgruppe sehr wichtig. Wie heißt der Titel? Wann wurde er veröffentlicht? Welche USK-Einstufung hat er erfahren? Und am interessantesten natürlich: Worum geht es da überhaupt? Als die ersten Gäste der Veranstaltung den Saal betreten, wird dies deutlich. Die Blicke streifen mal mit Skepsis, mal mit Verunsicherung über die flackernden Bildschirme. Während sich die Plätze vor den Rechnern langsam füllen, legen einige schon Hand an Maus und Tastatur, sind dabei in den ersten Minuten aber zunächst sichtlich überfordert.
 Autor:
Neels Behrend
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