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Von USK Siegeln und Verkehrsschildern...

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Über die letzten Jahre entdeckten mehr und mehr Politiker auch die Möglichkeiten des Internets, welches eine direkte Kommunikation mit dem Bürger ermöglicht. So lässt es sich Ursula von der Leyen, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, nicht nehmen, auf direktzu persönlich auf die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger zu antworten. So auch auf die Frage von Konrad Huber, der sich wie viele Videospieler über die übergroßen USK-Siegel echauffiert, welche seit Mitte 2008 auf der Verpackungsvorderseite  prangen.

Ursula von der Leyen: "Als langjähriger Spiele-Fan wissen Sie sicherlich sehr gut, dass man sich bis zur Einführung der großen, deutlich sichtbaren Alterskennzeichnungen irgendwo im Kleingedruckten über die Altersfreigabe informieren musste. Das war für viele eine Einladung zum Wegschauen. Heute können Verkäufer an der Kasse genauso wie die Eltern daheim im Kinderzimmer auf den ersten Blick erkennen, ob ein Spiel für Kinder und Jugendliche eines bestimmten Alters freigegeben ist oder nicht. "Warnschilder" wirken nur, wenn sie deutlich sichtbar sind, das gilt im Straßenverkehr wie auf Zigarettenpackungen."
 
Nun, offenbar ist Frau von der Leyen im Gegensatz zu Konrad Huber nicht seit Jahren mit der Materie vertraut - gerne möchte ich aber das, ihr offensichtlich vertraute, Beispiel vom Straßenverkehr aufgreifen um die eigentliche Problematik zu verdeutlichen:
 
Links ist die wohl jedem bekannte Signalisation der maximal zulässigen Höchstgeschwindigkeit  aus dem Straßenverkehr zu sehen, rechts analog dazu eine Interpretation des ehemaligen USK Siegels. Kein Zweifel, das Signal ist am Straßenrand weiterhin problemlos wahrzunehmen - Zweifel, ob sich die zulässige Höchstgeschwindigkeit noch gut genug ablesen lässt, sind jedoch durchaus angebracht. Wenn nun also von der Polizei häufiger Verkehrsteilnehmer mit überhöhter Geschwindigkeit gestoppt werden und sich durch die mangelhafte Signalisation herausreden, welche Lösungen würden da der Politik vorschweben? Die Verkehrsschilder auf die vierfache Fläche aufblasen? Wohl kaum. Es wird Zeit, dass sich die zuständigen Verantwortlichen darauf besinnen, welche Informationen für ein "Warnschild" relevant sind: Eine gut sichtbare Altersfreigabe analog zur Signalisation der Höchstgeschwindigkeit im Straßenverkehr.

Wie man es ohne Probleme richtig macht, demonstrieren die amerikanische ERSB oder das europäische PEGI-System seit Jahren. Flächenmäßig vergleichbar mit den alten USK-Siegeln weisen die entsprechenden Altersfreigaben seit Jahren verantwortungsbewusste Eltern auf die Spiele-Inhalte hin. Eine kleine Umfrage unter Eltern in der Nachbarschaft zeigt schnell: Die klare Signalisation der PEGI-Einstufungen wird trotz überdimensionalen USK-Siegeln besser wahrgenommen - gerade weil die wirklich relevanten Informationen flächenmäßig immer noch kleiner abgebildet sind im Vergleich mit dem Ausland.
Altersfreigabe-Kennzeichnungen im Vergleich: Deutschland, Europa, USA und England
Altersfreigabe-Kennzeichnungen im maßstabgetreuen Vergleich. Interessantes Detail am Rande: Die drei Kennzeichen von Europa, USA und England zusammen nehmen die gleiche Fläche in Anspruch wie das deutsche USK-Siegel.

Dabei hat der deutsche Gesetzgeber vor einigen Jahren durchaus den richtigen Schritt gemacht: Die Altersfreigaben für Videospiele wurden für Verkaufsstellen verbindlich gemacht. Das ist auch gut so - eine ganze Gruppe von Videospielen haben in den Händen von Kindern nichts zu suchen. Doch leider war die Politik nicht konsequent - auch das beste Gesetz versagt, wenn dessen Durchsetzung nicht auch durch Kontrollen Nachdruck verliehen wird. Wären nach der Einführung der verbindlichen Altersfreigabe regelmäßig Kontrollkäufe durchgeführt und die vom Gesetzgeber vorgesehenen Bußen ausgesprochen worden, hätten sich die Verkaufsstellen deutlich besser auf die veränderte Situation eingestellt. Es ist kein Problem, dem Verkäufer über das elektronische Kassensystem entsprechende Hinweise auf den Bildschirm zu zaubern, welche auf die Freigabe und die damit verbundene Altersverifikation hinweisen. Stattdessen redet sich das Verkaufspersonal lieber mit der schlechten Signalisation der USK-Siegeln heraus, wenn es von einem Reporter-Team mit minderjährigem Testkäufer wieder einmal erwischt wurde. Würden sich die Verkehrsteilnehmer an die vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeiten im Straßenverkehr halten, wenn sowieso bekannt ist, dass die Polizei keine Verkehrskontrollen durchführt?

Ein anderes Problem sind Eltern mit fehlender Medienkompetenz. Es ist wichtig, dass sich die Eltern dafür interessieren, was im Kinderzimmer gespielt wird. Tun sie das nicht, nützen selbst die besten Bestimmungen nicht. Das ist der Punkt, an dem es neben den Kontrollen anzusetzen  gilt. Moderne Konsolen wie z.B. die Xbox 360 bieten Möglichkeiten, den Zugriff sowohl in der Dauer als auch auf verschiedene Altersfreigaben zu beschränken. Besucht man jedoch die Webseite der USK und sieht sich das Informationsmaterial an, wird man auf keine Hinweise stoßen, welche technischen Möglichkeiten die aktuell auf dem Markt befindlichen Videospielsysteme in dieser Hinsicht bieten. Diese Form der Information, liebe Frau von der Leyen, wäre ein gewaltiger Fortschritt...

Viele Grüße,
Thomas Theiler
 Autor:
Thomas Theiler
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